Kategorie:Jagd

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Jagd im Mittelalter

Kulturhistorische Relevanz der Jagd

Universitätsbibliothek Heidelberg, Codex Manesse, Cpg 848, fol. 202v (lizensiert unter CC0 1.0) https://doi.org/10.11588/diglit.2222#0400

Jagdliche Szenen und Elemente der Jagd begegnen in historischen Texten und auf bildlichen Darstellungen immer wieder: Der Hirsch, Jagdhunde, Jäger zu Pferd mit Jagdhorn – um nur einige zu nennen. Die durchgängige Präsenz der Jagd in Text- und Bildmedien lässt auf ein anhaltendes Interesse schließen. Die Relevanz der Jagd für die (Menschheits-)Geschichte liegt auf der Hand:

„[…] in anthropologischer Hinsicht gehört die Jagd zu den grundlegenden Tätigkeitsbereichen, die die menschliche Kulturentwicklung seit dem Beginn der Menschheit in vielfältiger Form beeinflusst haben.“ (Rösener 2004: 23)
„Auch nach dem Übergang des Menschen zu Ackerbau, Viehzucht und Sesshaftigkeit verlor die Jagd nicht wesentlich an ihrer kulturellen Bedeutung. In allen Hochkulturen spielte sie weiterhin eine wichtige Rolle, nicht nur zur ergänzenden Fleischbeschaffung und als Schutz gegen wilde Tiere, sondern auch im gesellschaftlichen Leben der Herrschaftseliten.“ (Rösener 2004: 12)

Mit historischer Perspektivierung werden für die Jagd folgende zwei Ausprägungen angesetzt (nach Rösener 2004):

  1. Adelsjagd: adeliges Selbstverständnis, Kurzweil, Training der Sinne und der Geschicklichkeit
  2. Erwerbsjagd: ergänzende Fleischbeschaffung, Schutz gegen Raubtiere, Erwerb von Tierhäuten

Etwas allgemeiner angesetzt, könnte man unterscheiden zwischen

  1. Jagd mit Schwerpunkt der ständischen Repräsentation und
  2. Jagd mit Schwerpunkt des Erwerbs und des Schutzes,

da die Jagd des Adels z.B. durchaus auch dem Erwerb oder Schutz dienen konnte.

Das Recht zu jagen

Die Jagd setzt sich aus mehreren Elementen zusammen: Im engeren Sinn wird das Wild aufgespürt, verfolgt und erlegt, im weiteren Sinn ist das Wissen über das Leben und die Gewohnheiten der Wildtiere unerlässlich, aber auch die Waffenherstellung und deren Handhabung. Paragraph 1 des Bundesjagdgesetzes fasst die einzelnen Elemente zusammen:

Bundesjagdgesetz, §1
(1) Das Jagdrecht ist die ausschließliche Befugnis, auf einem bestimmten Gebiet wildlebende Tiere, die dem Jagdrecht unterliegen (Wild), zu hegen, auf sie die Jagd auszuüben und sie sich anzueignen. Mit dem Jagdrecht ist die Pflicht zur Hege verbunden.
(3) Bei der Ausübung der Jagd sind die allgemein anerkannten Grundsätze deutscher Weidgerechtigkeit zu beachten.
(4) Die Jagdausübung erstreckt sich auf das Aufsuchen, Nachstellen, Erlegen und Fangen von Wild.

Die Ausdifferenzierung einzelner Schritte im konkreten Jagdablauf – wunden ‚verwunden‘,  vellen ‚zu Fall bringen‘, jagen ‚treiben, hetzen‘ und töten ‚erlegen‘ – findet sich bereits im Schwabenspiegel (hier geht es um die unerlaubte Jagd im Bannforst des Herrschers):

Swer in den banforsten wilt wundet. oder vellet. oder îaget. oder toͤtet. der sol dem herren dez ez ist sehzeg schillinge geben dez herren lantphenninge (Schwabenspiegel, Cap. C.LXI).

Das Recht zur Ausübung der Jagd ist damals wie heute an ein Territorium gebunden:

Bundesjagdgesetz, § 3 Inhaber des Jagdrechts, Ausübung des Jagdrechts
(1) Das Jagdrecht steht dem Eigentümer auf seinem Grund und Boden zu. Es ist untrennbar mit dem Eigentum am Grund und Boden verbunden. Als selbständiges dingliches Recht kann es nicht begründet werden. (= Eigenjagdbezirk, vgl. §4 BJG)
(2) Auf Flächen, an denen kein Eigentum begründet ist, steht das Jagdrecht den Ländern zu. (=Gemeinschaftsjagdbezirk, vgl. §4 BJG)

Die Bindung der Jagd an den Besitz von Grund und Boden bildete sich seit der Merowingerzeit heraus und manifestierte sich zur Karolingerzeit (so Rösener 2004: 83; diese Annahme wird kontrovers diskutiert). Grundsätzlich sind drei territoriale Ausformungen für die Jagd annehmen (Frühmittelalter):

  • Forste: unterliegen der königlichen Gewalt, die Macht über den Wald erfolgt über die königliche Gewalt und nicht über Grundbesitz,
  • Kronwälder: die Verfügungsgewalt ist an das Grundeigentum gebunden, vorausgesetzt ist der Besitz der Wälder,
  • Allmenden und Marken: dienen der bäuerlichen Nutzung.

Der König verleiht das Jagdrecht in den Forsten. Im Hochmittelalter werden aus den königlichen Forsten über die Jagdrechtvergabe landesherrliche Forsten.

Das Jagdrecht ist gleichbedeutend mit dem Markt-, Münz- und Gerichtsregal. Mit der Verdichtung der Herrschaftsrechte innerhalb der Territorien wurde der Herrschaftsbereich eines fürstlichen Landesherren (territorial) nach außen hin sowohl gegenüber dem niederen bzw. landsässigen Adel als auch den Bauern markiert (Beschränkung auf die Niederwildjagd oder völlige Beseitigung des Jagdrechts; Rösener 2004: 215f.).

Gegenüber dem Markt-, Münz- und Gerichtsrecht (= territoriale Rechte) galt das Recht zur Jagdausübung als Standesattribut adeliger Lebensweise und kann durchaus als „internationales Elitephänomen“ (Giese 2010: 287) angesehen werden.

Das Wissen über die Jagd in Texten und bildlichen Darstellungen des Mittelalters

Universitätsbibliothek Heidelberg, Codex Manesse, Cpg 848, fol. 14v (lizensiert unter CC0 1.0) https://doi.org/10.11588/diglit.2222#0024

Erst ab dem 15. Jahrhundert wird der Themenbereich der Jagd kontinuierlich in Fachtexten thematisiert, für die Jahrhunderte vorher beschränkt sich die jagdliche Fachliteratur sowohl für die Beizjagd als auch für die Jagd auf Haarwild auf wenige Beispiele (Lindner 1959, Giese 2003). Die ältesten Texte zur Beizjagd stammen aus dem 13./14. Jahrhundert und sind lateinisch abgefasst, ab dem 14./15. Jahrhundert sind die Texte deutschsprachig. Das Fachschrifttum zur Jagd auf Haarwild, zur Vogeljagd und zum Fischfang ist von Anfang an (bis auf ganz wenige Ausnahmen) deutschsprachig.

In den Jahrhunderten zuvor begegnet das Thema aber in vielen anderen Textsorten: In der Epik werden höfische Jagden dargestellt und jagdliches Verhalten wird thematisiert, in Rechtstexten werden die Rahmenbedingungen für die Jagd festgehalten oder konkrete Fälle ausgefaltet (z.B. in Urkunden). Daneben wird die Jagd in der Lyrik, in der Chronistik, in Predigten und Briefen thematisiert und je nach Textsorte individuell perspektiviert. Um einen möglichst umfassenden Einblick über das historische Wissen zum Thema ‚Jagd und Jagen‘ zu erhalten, lohnt also ein Blick in die unterschiedlichsten Texte und Textsorten.

Darüber hinaus geben bildliche Zeugnisse Auskunft über die Jagd in vormoderner Zeit: Zwar sind die deutschsprachigen Fachtexte, im Gegensatz zu den französischen, kaum oder gar nicht bebildert, aber jagdliche Szenen finden sich z.B. auf Jagdteppichen, Wandmalereien, Kronleuchtern u.a.m. Sehr häufig sind gezielt an den Rändern thematisch ganz anders ausgerichteter Bebilderungen Jagdszenen platziert, wie z.B. an den Seitenrändern von religiösen Texten oder von Heilsteppichen.

Vor allem die deutschsprachigen Texte sind hinsichtlich der Herausbildung einer jagdlichen Fachsprache mit fachsprachlichen Bezeichnungen, Phrasen und Redensarten von Bedeutung (Roosen 2008, Schwenk 2008).

Jagdliche (Fach-)Literatur

Die das Wissen über die Jagd behandelnde Literatur des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit ist außerordentlich vielgestaltig (s. Unterkategorien am Ende der Seite):

Differenzierung nach Jagd- und Wildarten:

Eigene Themenbereiche sind zudem die Ausbildung des Leithundes und die Beschreibung eines optimalen Jagdtages, aber auch Texte zur Jagdtier- und Rossheilkunde (Buch von den Falken, Habichten, Sperbern, Pferden und Hunden des Heinrich Münsinger).

Eine Besonderheit stellen die einzeln oder in andere Texte eingebetteten Waidsprüche dar.

Daneben gibt es Jagdbücher, die entweder einen längeren Text enthalten oder mehrere kürzere zum Thema Jagd und Jagen.

Literatur

  • Giese, Martina: Die Jagd zwischen höfischem Zeitvertreib und Lebensnotwendigkeit, in: Alfred Wieczorek, Bernd Schneidmüller, Stefan Weinfurter (Hgg.): Die Staufer und Italien. Drei Innovationsregionen im mittelalterlichen Europa. Band 1: Essays, Mannheim 2010, S. 283-288.
  • Roosen, Rolf: Vom Gedruckten zum Ungedruckten. Die Jägersprache und ihr Forschungsdesiderat, in: Joachim Reddemann (Red.): Jagdkultur - gestern, heute, morgen. Symposium des Landesjagdverbandes Bayern e.V. und der Bayerischen Akademie für Tierschutz, Umwelt- und Jagdwissenschaften. 18. und 19. Juni 2008 in Rosenheim (Schriftenreihe des Landesjagdverbandes Bayern e.V. 17), Feldkirchen 2008, S. 89-98.
  • Rösener, Werner: Die Geschichte der Jagd. Kultur, Gesellschaft und Jagdwesen im Wandel der Zeit, Düsseldorf/Zürich 2004.
  • Schwenk, Sigrid: Die ältere deutsche Jägersprache bis zum Ende des 17. Jahrhunderts und ihre Erforschung im Überblick, in: Lothar Hoffmann, Hartwig Kalverkämper, Herbert Ernst Wiegand (Hgg.): Fachsprachen. Ein internationales Handbuch zur Fachsprachenforschung und Terminologiewissenschaft 2 (Handbücher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft 14.2), Berlin/New York 2008, S. 2383-2392.

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