Jüngere deutsche Habichtslehre

Aus Artesliteratur
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Bei der Jüngeren deutschen Habichtslehre handelt es sich um eine Überarbeitung der Älteren deutschen Habichtslehre, die vom Redaktor mit einem Vorwort versehen und inhaltlich stark erweitert wurde (vgl. Giese 2003: 498f.): Das Vorwort weist nachdrücklich auf den Vorrang des Gottesdienstes über die Jagd hin, ruft zur Mäßigung bei der Jagd auf und spricht ein Jagdverbot an Sonntagen aus (vgl. van den Abeele 1997: 110).

Inhalt

Insgesamt ist die Habichtslehre in fünf Bücher gegliedert: Das erste Buch beschäftigt sich mit dem Habichthalter, dem Habicht selbst und den Hilfsmittel, die zur Beizjagd benötigt werden. Das zweite Buch widmet sich dem Abrichten des Beizvogels, während das dritte Buch der Mauser und den Auswirkung derselben auf den körperlichen Zuzstand des Beizvogels gewidmet sind. Beim vierten Buch handelt es sich um die vogelheilkundlichen Vorschriften der Älteren deutschen Habichtslehre. Das fünfte Buch thematisiert ausschließlich den Beizwind, der während der Beizjagd mit dem Habicht zusammenarbeitet.


Überlieferung

Prag, Nationalbibliothek der Tschechischen Republik, Cod. XI. E. 9, fol. 112r-134r

Informationen zum Codex

Handschriftencensus https://handschriftencensus.de/13588
Digitalisat http://www.manuscriptorium.com/apps/index.php?direct=record&pid=AIPDIG-NKCR__XI_E_9______0DETU23-cs

Informationen zum Text

Beschreibstoff Papier
Blattgröße 21 x 14,5 cm
Schriftraum
Spaltenzahl einspaltig
Zeilen 23-27 (fol. 134r: 14 Zeilen)
Entstehungszeit 1400-1430 (vgl. Maslo 2017: 161)
Entstehungsort Abtei Weingarten ? (vgl. Maslo 2017: 161)

Straßburg (vgl. Giese 2003: 503)

Schreibsprache südschwäbisch (vgl. Maslo 2017: 157-159)
Schreiber/Hände mehrere Hände
Schrift Gotische Kursive (vgl. van den Abeele 1997: 108)
Seitenumfang fol. 112r-134r
Version/Fassung K (nach: van den Abeele 1997: 108)
Kolophon -
Titel Dis iſt ein buͦch von dem habiche

(fol. 112r,1)

Incipit PRimum querite Regnum dei et omnia

addicientur nobis / Das ſprichet

ſuͦchent czuͦ erſt gottes Rich das

enlot úch nút entwichen Wes ir von jme

zuͦ Rechte gert / Des werdent ir vil wol

gewert / Wer do welle kurtzwilen / der

enſol nit ylen / Das er gottes dienſt laſze

czuͦ allen dingen höret maſze / Beſcheiden

zit beſcheiden ſtunden / daz man jage mit

den hunden / Mit den habichen beiſſen /

Enlat úch nit verdrieſſen / Ir ſúllent czuͦ

der kirchen kommen / Es ſol úch iemer frommen

jn allen ſachen zuͦ heile / So wurt dir

gottes lon zuͦ teile / Die Sonnentage

ſol man eren / nút an das beiſſen keren

Ander tage ſint gnuͦge / Die ſint czuͦ ſollichem

ſpile gefuͦge /

(fol. 112r,2-18)

Explicit Nuͦ iſt das buͦch vſz von dem habiche

alſo ich es geleſen han

(fol. 134r,13-14)

Besitzeintrag Hic presens liber est

fratris Stephani Helmeir

de Ratispona

(fol. Iv; vgl. Maslo 2017: 156)

Mitüberlieferung
fol. 112r-134r Jüngere deutsche Habichtslehre
gedruckte Editionen
  • Lindner 1964: 99-135
  • Maslo 2017: 91-138 (mit nhd. Übersetzung)
digitale Edition Link folgt

Literatur

  • Giese, Martina: Zu den Anfängen der deutschsprachigen Fachliteratur über die Beizjagd, in: Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur 125 (2003), S. 494-523.
  • Maslo, André (Hg.): Die 'Habichtslehren' des deutschen Spätmittelalters. Eine Quellenstudie zu Sprache, Herkunft und Kulturgeschichte (Imagines Medii Aevi. Interdisziplinäre Beiträge zur Mittelalterforschung 38), Wiesbaden 2017.
  • van den Abeele, Baudouin: Zum Phänomen der 'Relatinisieren' in der mittelalterlichen Fachliteratur. Die Entstehungsgeschichte der 'Jüngeren deutschen Habichtslehre', in: Sudhoffs Archiv 81 (1997), S. 105-119.