Wiltü vÿolfarb tüchelin machen

Aus Artesliteratur
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Rezept zum Herstellen und Anmischen violetter Farbe als Tüchleinfarbe aus roten Kornbluhmen (Mohn).

Überlieferung

Dieses Rezept zum Herstellen und Anmischen violetter Farbe ist Teil der Rezeptsammlung 'Was du verwen wilt von sîden oder zendel'[1], die in den Handschriften Kodex Berleburg [ehemals Bad Berleburg, Sayn-Wittgensteinsche Schloßbibl., Ms. RT 2/6], auf fol. 242vb-243ra, und Salzburg, Universitätsbibl., Cod. M III 3, auf fol. 342va, überliefert ist. In der Salzburger Handschrift erscheint dieses Rezept als 59. und im Kodex Berleburg als 57. Rezept. In beiden Sammlungen befindet sich das Rezept im Abschnitt Wie man alle farwen machen solle vff berment, pappier, tuch, leder, holcz vnd stein.[2] Den Titel des Rezeptes habe ich der Salzburger Handschrift entnommen.
Diesem Rezept voran geht in der Salzburger Hanschrift das Rezept Wiltu swartz dinthen han nach venediger sitten zü machen und im Kodex Berleburg das Rezept Wiltü güt dinthen machen zü schriben. In beiden Handschriften folgt das Rezept Ein güt swartz farwe zü malen.
Inhaltlich bezieht sich das Rezept offenbar auf das vorangehende, jedoch durch dazwischenliegende Tintenrezepte getrennte Rezept Wiltü tuch bla machen zur Herstellung von Tüchleinblau aus Kornblumen.

Text

Salzburg, Universitätsbibl., Cod. M III 3, fol. 342va

Rheinfränkisch (Speyer ?), 3. Viertel 15. Jahrhundert[3]

Diplomatische Transkription

Wiltü vÿolfarb tüchelin1 machen ⁊&c<etera>
So nẏm<m> der rotten kornblüme<n>
vnd wilt dü die farwe tempe-
rieren So güſʒ ein wenig gum<m>ẏ
waſʒer in ein nüſʒſchall vnd lege
die tüchel farwe dar inne vnd
laſʒ es ein wenig weichen vnd trüc-
ke es vſʒ weder ʒü dicke noch ʒü
dünne ⁊&c<etera>

1 mit schwarzer Tinte nachträglich über der Zeile eingefügt.

Leseversion

Wiltü vÿolfarb tüchelin machen etc.,
so nymm der rotten kornblümen. Vnd wilt dü die farwe temperieren, so güsz ein wenig gummy waszer in ein nüszschall vnd lege die tüchel farwe dar inne vnd lasz es ein wenig weichen vnd trücke es vsz weder zü dicke noch zu dünne etc.


Kodex Berleburg [ehemals Bad Berleburg, Sayn-Wittgensteinsche Schloßbibl., Ms. RT 2/6], fol. 242vb-243ra

Rheinfränkisch, Rhein-Main-Gebiet, 3. Viertel 15. Jahrhundert [4]

Diplomatische Transkription

Wiltu violfarbe machen
Wiltu violfarbe tuchelin
machen So ny<m> der roten
[fol. 243ra] kornblumen Vnd wiltu die farbe
temperieren So guſʒ enwenig
gu<m>mi waſʒer in eyn nuſʒſchale
vnd lege die tuchel farbe dar
in vnd laſʒ iſʒ enwenig wei
chen vnd druck iſʒ uſʒ widder
zu dick noch zu dunne.

Leseversion

Wiltu violfarbe machen.
Wiltu violfarbe tuchelin machen, so nym der roten kornblumen. Vnd wiltu die farbe temperieren, so gusz enwenig gummi waszer in eyn nuszschale vnd lege die tuchel farbe dar in vnd lasz isz enwenig weichen vnd druck isz usz widder zu dick noch zu dunne.


Fußnoten

  1. Vg. zu diesem Text: Gundolf Keil, 'Was du verwen wilt von sîden oder zendel', in: ²VL 10 (1999), Sp. 770f.
    Werner Dressendorfer, Gundolf Keil und Wolf-Dieter Müller-Jahncke, Älterer deutscher 'Macer' - Ortolf von Baierland 'Arzneibuch' - 'Herbar' des Bernhard von Breidenbach - Färber- und Maler-Rezepte. Die oberrheinische medizinische Sammelhandschrift des Kodex Berleburg: Berleburg, Fürstlich Sayn-Wittgenstein'sche Bibliothek, Cod. RT 2/6, Farbmikrofiche-Edition, Einführung zu den Texten, Beschreibung der Pflanzenabbildungen und der Handschriften (Codices illluminati medii aevi 13), München 1991, S. 31-35. [online]
  2. Salzburg, Universitätsbibl., Cod. M III 3, fol. 342ra.
    Vgl. auch Kodex Berleburg [ehemals Bad Berleburg, Sayn-Wittgensteinsche Schloßbibl., Ms. RT 2/6], fol. 242va.
  3. Anna Jungreithmayr unter Mitarbeit von Josef Feldner und Peter H. Pascher, Die deutschen Handschriften des Mittelalters der Universitätsbibliothek Salzburg (Österreichische Akademie der Wissenschaften, phil.-hist. Klasse, Denkschriften 196; Veröffentlichungen der Kommission für Schrift- und Buchwesen des Mittelalters III,2), Wien 1988, S. 193-209. [online]
  4. Werner Dressendorfer, Gundolf Keil und Wolf-Dieter Müller-Jahncke, Älterer deutscher 'Macer' - Ortolf von Baierland 'Arzneibuch' - 'Herbar' des Bernhard von Breidenbach - Färber- und Maler-Rezepte. Die oberrheinische medizinische Sammelhandschrift des Kodex Berleburg: Berleburg, Fürstlich Sayn-Wittgenstein'sche Bibliothek, Cod. RT 2/6, Farbmikrofiche-Edition, Einführung zu den Texten, Beschreibung der Pflanzenabbildungen und der Handschriften (Codices illluminati medii aevi 13), München 1991, S. 9f. [online]





Luisa Rossa und Tamara Endberg-Krenn