Wiltu machen wy man schreibt, daz man dez nachtez list vnd nicht dez tags

Aus Artesliteratur
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Sammlung dreier Rezepte zur Herstellung von leuchtender Tinte (s. Bakterienlampen) aus der Handschrift Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, Hs. 3227a, fol. 116r.

Forschungsstand

Der Text wurde bereits 1956 von Gergad Eis herausgegeben.[1] Ich gebe hier die Ausgabe von Eis erneut wieder.

Text

Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, Hs. 3227a, fol. 116r.

Wiltu machen wy man schreibt, daz man dez nachtez list vnd nicht dez tags. Accipe fel canis, lignum calicis putridum uel vermes de nocte lucentes, et contere cum claro oui, et tempera cum gumy arabico, et scribe quod vis. Hoc solum legitur in nocte.

Vel quidquid scribitur cum felle coruicis, hoc solum legitur de nocte.

Ader nym das fawle holtz, daz dez nachtes scheynet, vnd eyn crut daz heisset esula proprie huswurcz[2] (vnd daz ist czweyerley: eyns cleyne, daz ander gros – dez wenigen saltu hie nemen) vnd dorczu goltschawm. Das saltu allez vnder eynander mengen mit dem weissen des eyes, vnd schrib do mite vnd loz is trucken.

Überlieferung

Die Handschrift Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, Hs. 3227a stammt nach Kurras aus dem Jahre 1389 und wurde in ostmitteldeutscher Mundart geschrieben.[3] Die Handschrift ist besonders aufgrund der darin enthaltenen Fechtbücher bekannt, enthält aber auch technische und medizinische Rezepte, astrologische Texte und solche aus dem Bereich der artes magicae.[4] Welche Texte in unmittelbarer Umgebung zu den Rezepten für Leuchttinte stehen, hat Eis leider nicht angegeben und auch die Handschriftenbeschreibungen sind hier zu ungenau.

Literatur

Gerhard Eis, Bakterienlampen im Mittelalter, in: Sudhoffs Archiv für Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaften 40:4 (1956), S. 289-294.

Lotte Kurras, Die deutschen mittelalterlichen Handschriften, Zweiter Teil: Die naturkundlichen und historischen Handschriften, Rechtshandschriften, Varia (Kataloge des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg 1,2), Wiesbaden 1980, S. 15-17.

Quellenangaben

  1. Eis 1956, S. 292f.
  2. Nach Eis ist diese Lesung nicht ganz sicher. In der Handschrift steht h`wurcz.
  3. Kurras 1980, S. 15. Kurras schreibt die Hs. fälschlich dem Pfaffen Hanko Döringer zu, der allerdings nur der Autor bzw. Gewährsmann eines Textes ist. Vgl. dazu: http://wiktenauer.com/wiki/Codex_Döbringer_(MS_3227a)#cite_note-2 mit Abbildung von fol. 43r. Vgl. auch: Regina Cermann, "Astantes stolidos sic immutabo stultos". Von nachlässigen Schreibern und verständigen Buchmalern. Zum Zusammenspiel von Text und Bild in Konrad Kyesers 'Bellifortis', in: Wege zum illuminierten Buch. Herstellungsbedingungen für Buchmalerei in Mittelalter und früher Neuzeit, hg. von Christine Beier und Evelyn Theresia Kubina, Wien/Köln/Weimar 2014, S. 245–270, hier S. 253 (Anm. 39).
  4. Ein Inhaltsverzeichnis und Transkriptionen einzelner Texte von Dierk Hagedorn finden sich unter: http://www.hammaborg.de/de/transkriptionen/3227a/index.php



Marco Heiles