Kategorie:Madelger-Traktat

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Madelger-Traktate sind Wunderdrogentraktate bzw. -rezepte, die beschreiben auf welche Weise und mithilfe welcher Beschwörungen eine madelger-/Enzianpflanze mitsamt Wurzel geerntet werden soll, die als Liebesamulett eingesetzt werden kann (Liebeszauber).

Forschungsstand

Marianne Halbleib und Gundolf Keil verzeichnen im Verfasserlexikon den 'Madelger-Traktat' aus der Handschrift Wernigerode, Fürstl. Stolbergische Bibl., Cod. Zb 4m.[1] Diese Handschrift ist seit 1945 verschollen.[2] Eduard Brodführer hat diesen kurzen Text 1914 für die Archivbeschreibung der Preußischen Akdemie der Wissenschaften vollständig abgeschrieben.[3] Den Hinweisen der älteren volkskundlichen Literatur sind Halbleib und Keil nicht nachgegangen. So haben im 19. Jahrhundert schon Karl Weigand[4] und Johann Andreas Schmeller[5] kurze Madelger-Rezepte transkribiert, worauf auch im Handbuch des deutschen Aberglaubens hingewiesen wird.[6]

Inzwischen sind vier textgeschichtlich wohl unabhängige Madelger-Traktate bekannt.

Überlieferung

Gießen, Universitätsbibl., Hs. 992, fol. 143r

Incipit: Madelger ist ain gut crut wurtz. swer si grabn wil, der grab si an sant Johans tag … (nach Grimm)

Digitalisat: https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:hebis:26-digisam-64971
Transkription in:

München, Staatsbibliothek, Clm 653, fol. 29r-30v

Incipit: De nobili herba seu radice sancti Petri qualiter sit coligenda …

Digitalisat: http://daten.digitale-sammlungen.de/bsb00125514/image_67

Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, Hs. 213, fol. 19v-20r

ca. 1460-1466 (fol. 17-20, 25-27), bairisch/schwäbisch[8]

Incipit: Item daz crüt magdaliger soltü vmb ryssen myt golt vnd mẏt silber …

Digitalisat: http://dlib.gnm.de/item/Hs213/40/html
Transkription in:

Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, Hs. 3015a, fol. 518r

Ende 16./Anfang 17. Jahrhundert

Incipit: So gehe an eynem sambstag früehe eher wan die sonne auffgehet …

Transkription:

Wernigerode, Fürstl. Stolbergische Bibl., Cod. Zb 4m [verschollen], fol. 76r-76v

1. Drittel 16. Jh., Vordertaunus, rheinfränkisch[10]

Incipit: Gang da magdelger stat mit drien oder mit v stengel … (nach Kofler)

Abschrift von Eduard Brodführer: http://www.bbaw.de/forschung/dtm/HSA/700445150028.html
Transkription in:

  • Walter Kofler, Ein Wernigeroder Arzneibuch. Texte und Abbildungen aus der verschollenen Handschrift Zb 4m, in: ZfdA 137 (2008), S. 489-512, hier S. 502-504, https://www.jstor.org/stable/20658587 (€).


Literatur

  • Heinrich Marzell, Art. Enzian (Gentiana-Arten), in: Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens 2 (1927), Sp. 862-866, bes. Sp. 863.
  • R. Rothleitner, Enzian im Volksmund und Volksbrauch, in: Jahrbuch des Vereins zum Schutze der Alpenpflanzen und -tiere 8 (1936), S. 51-58, https://www.zobodat.at/pdf/Jb-Verein-Schutz-Alpenpfl-Tiere_8_1936_0051-0058.pdf.
  • Marianne Halbleib / Gundolf Keil, 'Madelger-Traktat', in: 2VL 11 (2004), Sp. 943f.

Fußnoten

  1. Marianne Halbleib / Gundolf Keil, 'Madelger-Traktat', in: 2VL 11 (2004), Sp. 943f.
  2. Siehe den Ergänzenden Hinweis im Handschriftencensus: http://www.handschriftencensus.de/7166
  3. http://www.bbaw.de/forschung/dtm/HSA/700445150028.html.
  4. [Karl] Weigand, Kräuterbeschwörungen und Kräuteraberglaube, in: Zeitschrift für deutsche Mythologie und Sittenkunde 2 (1855), S. 170-174, https://reader.digitale-sammlungen.de/de/fs1/object/display/bsb10446145_00174.html.
  5. Bayerisches Wörterbuch von J. Andreas Schmeller, 2. mit des Verfassers Nachträgen vermehrte Ausgabe, bearb. von G. Karl Frommann, Bd. 1, München 1872, Sp. 1568f. (s.v. Madelger), https://archive.org/details/bub_gb_gT9UAAAAcAAJ/page/n803.
  6. Heinrich Marzell, Art. Enzian (Gentiana-Arten), in: Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens 2 (1927), Sp. 862-866, hier Sp. 863f.
  7. Wiederabgedruckt in: R. Rothleitner, Enzian im Volksmund und Volksbrauch, in: Jahrbuch des Vereins zum Schutze der Alpenpflanzen und -tiere 8 (1936), S. 51-58, hier S. 56, https://www.zobodat.at/pdf/Jb-Verein-Schutz-Alpenpfl-Tiere_8_1936_0051-0058.pdf.
  8. Lotte Kurras, Die deutschen mittelalterlichen Handschriften, Zweiter Teil: Die naturkundlichen und historischen Handschriften, Rechtshandschriften, Varia (Kataloge des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg 1,2), Wiesbaden 1980, S. 3.
  9. Wiederabgedruckt in: Max Höfler, Volksmedizinische Botanik der Germanen (Quellen und Forschungen zur deutschen Volkskunde 5), Wien 1908, S. 71, https://archive.org/details/bub_gb_xf-fAAAAMAAJ/page/n78; R. Rothleitner, Enzian im Volksmund und Volksbrauch, in: Jahrbuch des Vereins zum Schutze der Alpenpflanzen und -tiere 8 (1936), S. 51-58, hier S. 56, https://www.zobodat.at/pdf/Jb-Verein-Schutz-Alpenpfl-Tiere_8_1936_0051-0058.pdf.
  10. Walter Kofler, Ein Wernigeroder Arzneibuch. Texte und Abbildungen aus der verschollenen Handschrift Zb 4m, in: ZfdA 137 (2008), S. 489-512, https://www.jstor.org/stable/20658587 (€).


Marco Heiles

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