Herzog Ernst Kunst

Aus Artesliteratur
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Die 'Herzog Ernst Kunst' ist ein Losverfahren mit dem man den Sieger eines Zweikampfs bestimmt. Bei dieser Praxis werden die Namen der Kontrahenten auf je einen Zettel geschrieben, die mit Leim oder Wachs überzogen und in eine Becken mit Weihwasser geworfen werden. Derjenige, dessen Zettel schwimmt, siegt im Zweikampf. Das Verfahren wird von Johannes Hartlieb in dessem 'Buch aller verbotenen Kunst' (1456) im Kapitel 47 Ain loß mit dem kempfen, welher ob oder under li beschrieben und als abergläubig, sündig, schädlich und nicht glaubwürdig verurteil.[1] Eine Anleitung zu dieser Praxis findet sich unter der Überschrift von kempffen welcher ob lit in der Handschrift Freiburg, Universitätsbibl., Hs. 458 auf fol. 291v.[2] Vergleichbare niederländische Anleitungen hat Willy Braekman mitgeteilt.[3]

Beschreibung durch Johannes Hartlieb

Zitiert nach der Ausgabe von Falk Eisermann und Eckhard Graf die der Leithandschrift Heidelberg, Universitätsbibl., Cpg 478 folgt. Diese Handschrift wurde um 1470 von Clara Hätzlerin in Augsburg geschrieben.

Frühneuhochdeutscher Text

Das siben und vierzigist capitel: Ain loß mit den kempfen, welher ob oder under lig.
Es sind ettlich zaubrer, die wöllen wissen, welcher an dem kampff ob lig. Die schreiben baid namen uff zwen zetel und überziehen sy mit laym oder wachs und werffen das dann in ain beck vol wassers. Das ist gar ain grosser ungelaub [32r] und vast sünd und verpoten, wann es mag sich ainer trösten des gespenst, der sunst nymmer gefäch, der mag dann gesigen oder nit, wann die kunst ist ain dantt.[4]

Übersetzung

47. Kapitel: Über das Befragen des Loses, wer im Kampf siegen oder unterliegen werde'
Es gibt eine Reihe von Zauberern, die wissen wollen, wer im Zweikampf siegen werde. Sie schreiben die beiden Namen (der Kämpfer) einzeln auf je einen Zettel und überziehen die Zettel mit Leim oder Wachs und werfen sie in ein Becken voller Wasser. Das ist ein ungeheuerlicher Aberglaube, sehr sündig und verboten, denn es könnte doch einer, der sonst nie gefochten hat, Mut aus solcher Scharlatenerie schöpfen. Der kann genausogut siegen wie verlieren, da die Kunst eitler Tand ist.[5]

Text

Freiburg, Universitätsbibl., Hs. 458 auf fol. 291v

Diplomatische Transkription

von kempffen welcher ob lit
Jte<m> es ist zu wissen w<er> do wil v<er<suchen wan<n> zwen man mitteinand<er> kempffen wolle<n> an dem selbe<n> t<ag> sol ma<n> es tho<n> vnd v<er>suchen also schr<eib> iglichen name<n> sein tauff name<n> vnd sein zu name<n> an ein besund<er> briefflin als ich dan hinnach Ein exempel wil setzen vnd schr<eiben> das du es dest<er> baß v<er>stest hertzog fridrich vo<n> osterrich lit hut ob + χ̄ρ̄s + vincit + χ̄ρ̄s + regnat + χ̄ρ̄s + Jmp<er>at +++ Hertzog ludwig vo<n> Beÿgern lit hut ob + χ̄ρ̄s + vincit + χ̄ρ̄s + regnat + χ̄ρ̄s +Jmp<er>at +++ vnd Nym dan iglichs briefflin besund<er> vnd winde sie zu same<n> also das du der briefflin geschrifft nit sehest vnd N<ym> dan laymen vnd m,ach den weich vnd thu iglichs briefflin besund<er> dorein das du nit wissest welches briefflin iglichs sey vnd mach sie groß als ein geullerlach od<er> snelkern Darnach N<ym> ein beckin mit aq<ua> benedicta mit wasser vnd w<er>ff die zwey kugellach dorein In no<mi>ne p<atrum> et f<ilium> et s<piritum> s<anctum> vnd welchs dan zerbricht dasselbig brieflin d<a>z swymet enbor das N<ym> dan heruß vnd lisse es der selbig lit ob on alle zwifel Du solt auch sprechen als bald du die Briefflin Jn ein wasser legest v p<ate>r n<oste>r vnd v a<ve> m<aria> d<er> heiligen drifaltigkeit zu ere vnd du solt des selbe<n> t<ag> j meß horen vnd j ch[?] opffern vnd das ist dick bewert word vn<d> hat nie gefelt vn<d> ist hertzog ernst kunst die jm nie gefeilt hot an keine<m> man

Fußnoten

  1. Vgl. Falk Eisermann und Eckhard Graf (Hg.), Johannes Hartlieb: Das Buch aller verbotenen Künste, des Aberglaubens und der Zauberei. Hg., übersetzt und kommentiert (Esoterik des Abendlandes 4), Ahlerstedt 1989, S. 64f.
    Vgl. auch ebda. S. 78f.
  2. Vgl. Wolfram Schmitt, Hans Hartliebs mantische Schriften und seine Beeinflussung durch Nikolaus von Kues, Diss. Heidelberg 1962, S. 73f.
  3. Willy L. Braekman, Middeleeuwse witte en zwarte magie in het Nederlands taalgebied.Gecommentarieed compendium van incantamenta tot einde 16de eeuw, Gent 1997, S. 328-331.
  4. Falk Eisermann und Eckhard Graf (Hg.), Johannes Hartlieb: Das Buch aller verbotenen Künste, des Aberglaubens und der Zauberei. Hg., übersetzt und kommentiert (Esoterik des Abendlandes 4), Ahlerstedt 1989, S. 64.
  5. Falk Eisermann und Eckhard Graf (Hg.), Johannes Hartlieb: Das Buch aller verbotenen Künste, des Aberglaubens und der Zauberei. Hg., übersetzt und kommentiert (Esoterik des Abendlandes 4), Ahlerstedt 1989, S. 65.


Marco Heiles